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Persönliche Sprache. Mehr als nur „Ich-Botschaften“

Aktualisiert: 25. Sept. 2025

Im Dialog. In Beziehung
Im Dialog. In Beziehung

Wenn es um persönliche Sprache geht, denken viele sofort an die bekannten „Ich-Botschaften“. Wir hören oft: „Formuliere in Ich-Sätzen: Ich möchte …, ich wünsche mir …, ich hätte gerne …“ – und ja, das hat seinen Wert.

Aber persönliche Sprache ist so viel.


Gerade in Beziehungen , egal ob in Partnerschaften, Freundschaften, im Arbeitsumfeld oder mit Kindern, brauchen wir persönliche Sprache, um wirklich miteinander in Kontakt zu kommen.


Persönliche Sprache hilft uns, unsere Gefühle, Gedanken, Werte und Emotionen mitzuteilen. Sie macht es möglich, uns authentisch auszudrücken, also zu zeigen, was wirklich in uns passiert.


Sie ist auch ein Ausdruck von Integrität: Ich kann zu mir stehen, meine innere Wahrheit teilen und gleichzeitig bei mir bleiben, ohne die Gefühle des anderen zu verletzen.


Ein schönes Bild dafür ist der eigene Teppich: Jeder Mensch steht auf seinem eigenen Teppich, und niemand darf darauf treten, weder Partner, Kinder noch Kolleg*innen.

Ebenso habe ich nicht das Recht, auf den Teppich eines anderen zu gehen.

Bleibe ich also „auf meinem Teppich“, kann ich meine Gedanken und Gefühle mitteilen, ohne übergriffig zu werden. Dies kann ich mit persönlicher Sprache üben.


Das macht mich sichtbar und anwesend im Dialog und es gibt meinem Gegenüber die Möglichkeit, ehrlich und persönlich darauf zu reagieren.


Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hat die Bedeutung persönlicher Sprache besonders betont.

Für ihn war sie ein Schlüssel für gleichwürdige Beziehungen, also Begegnungen auf Augenhöhe, in denen Kinder und Erwachsene mit denselben Respektrechten ausgestattet sind.


Ein Beispiel von Juul:


  • Statt: „Du bist immer so laut!“

  • Besser: „Ich merke, dass es mir schwerfällt, mich zu konzentrieren, wenn so viel Lärm ist.“


Hier wird deutlich: Ich spreche über meine Wahrnehmung und meine Grenzen, nicht über den Charakter oder das Verhalten des Kindes.


Ein anderes Juul-Beispiel:


  • Statt: „Du bist unverschämt!“

  • Besser: „Ich fühle mich verletzt, wenn du so mit mir sprichst.“


So bleibt die Verantwortung beim Sprechenden, ohne das Kind abzuwerten.


Juul betonte immer wieder: Kinder haben ein Recht auf unsere Authentizität. Persönliche Sprache ist deshalb kein pädagogisches Werkzeug, sondern eine innere Haltung, die Beziehung stärkt.


Besonders wichtig ist persönliche Sprache dort, wo Beziehung gelebt wird:


  • in der Schule

  • in der Kita

  • in Partnerschaften und Ehen

  • mit den eigenen Kindern


Kinder sind die besten Vorbilder: Sie sagen klar und direkt, was sie wollen oder nicht wollen. „Ich will das nicht.“ – „Ich bin traurig.“ – „Ich habe Hunger.“

Ihre Integrität ist noch ungebrochen, sie stehen für sich ein.

Leider verlernen Kinder das oft im Laufe der Jahre, weil Ehrlichkeit manchmal als „frech“ oder „fordernd“ wahrgenommen wird.


Umso wichtiger ist es, dass wir Erwachsenen diese Qualität ernst nehmen und fördern.


Oder wie Juul sagt: „Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen authentische Eltern.“


Ein anderes Beispiel ist in Schulen. Wie benutze ich persönliche Sprache als Lehrperson?


Es geht nicht darum, private Geschichten zu teilen, also zu erzählen, was ich am Wochenende gemacht habe oder dass ich gerade in einer Beziehungskrise stecke.


Persönliche Sprache meint etwas anderes: Wie bin ich im Moment hier? Wie geht es mir jetzt gerade innerlich?


Ich kann z. B. meinen Schüler*innen sagen:

„Heute Morgen bin ich aufgestanden und irgendwie nervt mich alles. Wenn ich heute ungeduldig bin, hat das nichts mit euch zu tun , das ist gerade mein Thema.“


Damit bleibe ich verantwortlich für mein eigenes Empfinden und trage zu einer ehrlichen Beziehungsqualität bei.


Persönliche Sprache verlangt Achtsamkeit, Wachsamkeit und Fingerspitzengefühl.

Es bedeutet, genau hinzuschauen, hinzuhören und hinzuspüren, sowohl bei mir selbst als auch im Kontakt mit anderen.


Doch genau das macht sie so wertvoll: Sie verändert das Miteinander, schafft Vertrauen und öffnet Türen für echte Begegnung.


Persönliche Sprache ist ein Geschenk an mich selbst und an mein Gegenüber.

Sie macht sichtbar, was in mir geschieht, ohne andere zu verletzen. Sie stärkt Beziehungen, ob in Familie, Schule, Beruf oder Partnerschaft.


Vielleicht magst du selbst einmal ausprobieren, bewusst persönliche Sprache zu üben, auf deinem Teppich zu bleiben und dennoch sichtbar zu sein.



 
 
 

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