top of page

Heute schon dein Kind angeschrien?

Ein Plädoyer für den ehrlichen Umgang mit Wut


Ertappt? Vielleicht ist das hier genau der richtige Moment, um innezuhalten. Nicht, um dich selbst zu verurteilen, sondern um die Möglichkeit zu nutzen, dein eigenes Verhalten neugierig zu hinterfragen.



Die Spuren unserer Herkunft

Wir alle bringen Erfahrungen aus unserer eigenen Herkunftsfamilie mit. In vielen Häusern war Wut ein Tabu –und man durfte schlichtweg nicht wütend sein. Wenn du als Kind in deiner Wut nicht begleitet wurdest, fehlt dir heute oft die Strategie, wenn der Frust in dir hochkocht.


Hier ein paar Fragen, welche du dir das nächse mal stellen kannst:

  • Wo spürst du den Frust körperlich? Zieht sich die Kehle zu? Ballen sich die Fäuste?

  • Was fühlst du danach? Oft sind wir geschockt oder schämen uns zutiefst, weil wir eines nie werden wollten: genau wie unsere Eltern.

Dein wütender Anteil: Ein (ungebetener) Beschützer

Nutze die Chance, deinen wütenden und frustrierten Anteil kennenzulernen. Was will er dir sagen? Wovor beschützt er dich vielleicht? Oft sitzen diese Emotionen und alten Glaubenssätze so fest im Körper und im Kopf, dass sie uns steuern. Doch sie dürfen neu kennengelernt werden, wertschätzend betrachtet und neu platziert werden, für dich, deine Kinder und deine Familie.



Die Perspektive von Jesper Juul: Wut als Signal

Der Familientherapeut Jesper Juul betrachtete Aggression und Wut nicht als Erziehungsfehler, sondern als wichtiges Signal. Seine Kernbotschaften helfen uns, den Druck rauszunehmen:


  1. Aggression als Ausdruck von Liebe: Wut entsteht oft dort, wo wir uns in unseren engsten Beziehungen nicht wertvoll oder gesehen fühlen. Sie ist ein (wenn auch lauter) Versuch, wieder in Kontakt zu treten.

  2. Authentizität statt Perfektion: Kinder brauchen keine perfekten Eltern, die ihre Gefühle hinter einer Maske verbergen. Sie brauchen echte Menschen.

  3. Verantwortung übernehmen: Wenn wir explodieren, liegt die Verantwortung zu 100 % bei uns Erwachsenen. Nicht das Kind hat uns „dazu gebracht“, sondern wir haben unsere Grenze nicht rechtzeitig kommuniziert.


Verzeihung statt Perfektionismus

In diesem Moment nach dem Schrei ist eines besonders wichtig: Geh wohlwollend mit dir um. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Dein Kind braucht keine fehlerfreien Eltern, sondern ein authentisches Vorbild. Wenn du deine Wut annimmst und Verantwortung dafür übernimmst, lehrst du dein Kind den gesunden Umgang mit Emotionen.


Die Brücke bauen: Das Gespräch nach dem Sturm Geh zu deinem Kind hin. Biete den Kontakt wieder an. Du als Erwachsener trägst die Verantwortung für eure Beziehungsqualität. Ein Gespräch auf Augenhöhe kann so viel Heilung bringen:

„Es tut mir leid, dass ich dich heute angeschrien habe. Ich bedauere das sehr. Ich habe es in diesem Moment nicht anders hinbekommen, obwohl ich weiß, dass ich es eigentlich anders kann.“

Gemeinsam wachsen

Trau dich, die Situation gemeinsam mit deinem Kind zu reflektieren, wenn die Gemüter sich beruhigt haben:


  • „Was hätten wir heute anders machen können?“

  • „Was hättest du gebraucht? Und was hätte ich gebraucht, damit es nicht so weit kommt?“


Indem du diese Fragen stellst, brichst du alte Muster auf. Du zeigst, dass Gefühle Platz haben dürfen und dass man Fehler reparieren kann.

Das ist der Grundstein für eine neue, gesunde Familienkultur.


Du darfst wütend sein. Und du darfst lernen, neu damit umzugehen.

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Du darfst gehen, wenn man nicht mehr gesehen wird

Die Tür zu mir selbst Ich habe lange überlegt, ob ich das hier teilen soll. Nicht, um jemanden schlecht zu machen oder nachzutreten. Sondern um etwas auszusprechen, das viel zu oft unausgesprochen ble

 
 
 

Kommentare


Ich versende Newsletter

Danke für die Nachricht

Impressum     Datenschutz     AGB

© 2026 Julia Becker_ Zwischentöne Coaching

bottom of page