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Mein Kopf entknotet sich

Aktualisiert: 24. Sept. 2025

Ich habe das große Glück, an meiner Schule viel Freiraum für eigene Ideen zu haben.

Letztes Schuljahr habe ich diesen Freiraum genutzt und ein kleines Experiment mit meiner vierten Klasse gestartet.

Jeden Freitag in der letzten Stunde stanf ein Modul im Mittelpunkt, eine Projektstunde, welches wir gemeinsam entwickeln.

Etwas worauf die Kinder Lust haben.


Im ersten Halbjahr habe noch ich die Richtung vorgegeben: Wir arbeiteten an einer Schülerzeitung. Manche waren begeistert, andere verloren schnell die Motivation.

Mir wurde klar: Wenn es wirklich ihr Projekt sein soll, dann müssen die Kinder auch Verantwortung übernehmen.


Also änderte ich im zweiten Halbjahr die Regeln: Vier Wochen lang arbeiten wir an einem Thema ihrer Wahl. Am Ende steht ein sichtbares Ergebnis. Was das ist, haben wir zusammen entschieden.


Und plötzlich passierte etwas Besonderes: Die Kinder übernahmen Verantwortung. Sie diskutierten, stritten, stimmten ab und entwickelten Ideen, die ich mir allein nie hätte ausdenken können.


Unser erstes Projekt war ein Demokratieprojekt. Weil gerade in Deutschland Wahlen stattfanden, gründeten die Kinder eigene Parteien, entwarfen Wahlprogramme, hielten Reden und gestalteten Wahlplakate.

Am Ende wählten sie mit Stimmzetteln und Wahlurne sogar eine „Kanzlerin“, die für einen Tag Entscheidungen treffen durfte, z.B. , ob eine Englisch-Wochenaufgabe ausfallen konnte. Es war total schön zusehen, wie engagiert sie waren und vor allem wie ernst sie dies genommen haben. Bei jeder Rede, war es mucksmäuschen still.


Danach folgte ein Theaterprojekt. Selbst geschrieben, inszeniert und aufgeführt. Was jeder doch ganz schön chaotisch und nervenaufreibend für mich war.


Und schließlich ein Buchcafé: Mit Tee, leiser Musik und selbstgepflückten Kräutern verwandelten wir den Klassenraum in eine kleine Wohlfühloase.

Jede:r brachte ein Buch mit, las darin, gestaltete ein Plakat und stellte es am Ende vor.


Besonders bewegend war ein Moment im Buchcafé: Eine Schülerin, die sonst immer voller Energie und in hoher Geschwindigkeit unterwegs war, lehnte sich zurück und sagte:

„Oh, es tut so gut hier zu sitzen und diese Ruhe zu haben. Ich merke richtig, wie mein Kopf ruhig wird.“


Dieser Satz war für mich ein kleiner Weckruf. Schule braucht nicht nur Leistung, Tempo und Aktivität, sondern auch Räume für Ruhe.


Ganz nach Pippi Langstrumpf: „(…)Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen"


Für mich war dieses Projekt eine der schönsten Erfahrungen des Schuljahres. Und ich habe dabei gelernt: Wenn wir Kindern Verantwortung zutrauen, gewinnen wir alle, sie an Selbstwirksamkeit und Freude, wir an Leichtigkeit und echter Zusammenarbeit.

 
 
 

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